Brenntemperaturen und Kegelwerte
In der Töpferei werden Brenntemperaturen oft in Kegelwerten (Kegel/Cone) statt in Grad Celsius angegeben. Das Kegelsystem (entwickelt von Hermann Seger und Edward Orton) beschreibt die Wärmemenge, die auf Keramik einwirkt – abhängig von Temperatur UND Aufheizrate. Ein Orton-Kegel 6 entspricht bei einer Aufheizrate von 150 °C/h ca. 1222 °C.
°F = °C × 9/5 + 32
°C = (°F − 32) × 5/9
Kegelwert: abhängig von Temperatur + Aufheizrate
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Orton- und Seger-Kegel?
Orton-Kegel sind der US-amerikanische Standard, Seger-Kegel der europäische. Sie sind ähnlich, aber nicht identisch. Seger-Kegel werden mit SK abgekürzt (z.B. SK 10 ≈ Orton Cone 10). In deutschen Töpfereien sind beide Systeme verbreitet.
Warum sind Kegelwerte wichtiger als Temperaturen allein?
Keramische Reaktionen hängen von der Gesamtenergie ab, die auf den Ton einwirkt – also von Temperatur und Zeit. Eine langsame Aufheizung auf 1200 °C hat denselben Effekt wie eine schnellere auf 1230 °C. Messkegelchen zeigen deshalb die tatsächliche Wärmewirkung unabhängig von der Aufheizrate.
Bei welcher Temperatur brennt Steingut, Steinzeug und Porzellan?
Steingut (Earthenware): 950–1150 °C (Kegel 010–1). Steinzeug (Stoneware): 1200–1300 °C (Kegel 6–10). Porzellan: 1260–1400 °C (Kegel 9–12). Raku: 900–1000 °C, Terrakotta: 900–1100 °C.
Was passiert beim Überbranden?
Überbrennen (zu hohe Temperatur oder zu lange Brennzeit) führt zu Verformung, Blasen, überlaufender Glasur und im Extremfall zum Kollaps der Stücke. Typische Zeichen sind stark gelaufene Glasuren, verformte Ränder und Risse durch Schwindungsspannungen.